Radfahren in Österreich

Sicher auf dem Fahrrad

Welche neuen Regeln gibt es für Radfahrer?

Die wichtigsten Änderungen für Fahrräder die 30. StVO Novelle zusammengefasst (gültig ab 1.4.2019):

  • Reißverschlusssystem und keine Wartepflicht mehr!
    Bei nicht durchgehender Möglichkeit des Befahrens eines Radfahrstreifens und auch am Ende eines Radfahrstreifens gilt das Reißverschlusssystem, um den Radfahrern ein gleichberechtigtes Einordnen in den übrigen Verkehr zu ermöglichen. Müssen Radfahrer vom Radfahrstreifen auf den daneben liegenden Fahrstreifen wechseln (z.B. um sich zum Linkseinbiegen einzuordnen), gelten die Regelungen für den Fahrstreifenwechsel anstelle der bisherigen Wartepflicht nach der Fließverkehrsregel.
    Radfahrer haben nur noch dann Wartepflicht, wenn sie einen Radweg oder einen Geh- und Radweg verlassen, der nicht durch eine Radfahrerüberfahrt fortgesetzt wird.

  • Vorrang geradeaus weiterfahrender Fahrzeuge
    Geradeaus weiterfahrende Fahrzeuge haben Vorrang gegenüber Fahrzeugen, die aus dem Parallelverkehr nach rechts abbiegen, z. B. Vorrang der Radfahrer auf einem Radfahrstreifen gegenüber den vom danebenliegenden Fahrstreifen nach rechts einbiegenden Kraftfahrzeugen.

  • Bodenmarkierung „Ende“ des Radfahrstreifens entfällt
    Die Bodenmarkierung „Ende“ am Ende eines Radfahrstreifens entfällt. Bestehende Bodenmarkierungen müssen bis 31. Dezember 2024 entfernt werden. Achtung: Das Reißverschlusssystem gilt aber unabhängig davon, ob das Wort „Ende“ angebracht ist oder nicht.

  • Zebrastreifen überqueren mit Fahrrad
    Das Befahren von Schutzwegen mit Fahrzeugen im Sinne der Gehrichtung der Fußgänger ist verboten. Ausnahme: Wenn der Fußgängerübergang gleichzeitig auch eine Radfahrerüberfahrt ist. Dafür ist eine neue Art der Markierung vorgesehen, bei der die Radfahrerüberfahrt und der Fußgängerübergang „übereinander gelegt“ werden (sog. „St. Pöltner Modell“).

  • Transportfahrräder mit einer Breite bis zu 100 cm dürfen den Radweg benützen.

  • Fahrradprüfung für Kinder geändert
    Änderungen der Modalitäten bei der Radfahrprüfung. Auch 9-jährige Mädchen und Buben dürfen sofort nach bestandener Radfahrprüfung – auch ohne erwachsene Begleitperson – Rad fahren. Bisher war das erst ab dem 10. Lebensjahr erlaubt.

  • Fahrzeugähnliches Kinderspielzeug und Begleitung
    Miniscooter oder auch Tretroller, die häufig von Kindern genutzt werden gelten als sogenanntes „fahrzeugähnliches Kinderspielzeug“ (Geschwindigkeit max. 5 km/h). Künftig dürfen diese bereits ab dem 8. Lebensjahr ohne Begleitperson verwendet werden. Bislang war dies erst ab 10 Jahren (mit Radfahrausweis) beziehungsweise 12 Jahren erlaubt. Mit kleinen Scootern darf in Schrittgeschwindigkeit auf dem Gehsteig gefahren werden, sofern keine Fußgänger gefährdet werden. Achtung: Für elektrische Scooter gilt diese Regelung nicht.

  • Rechts abbiegen bei Rot bei Zusatztafel (Testphase für ein Jahr in Linz)
    Das Rechtseinbiegen bei rotem Licht einer Ampel wird ein Jahr lang an drei Kreuzungen in Linz getestet: Bei dieser Zusatztafel (grüner Pfeil) an einer Ampel dürfen Fahrzeuglenker (auch Fahrradfahrer) bei rotem Licht nach rechts einbiegen, wenn sie zuvor angehalten haben und durch das Einbiegen andere Verkehrsteilnehmer weder behindert noch gefährdet werden.

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Achtung: Die Abbiegeerlaubnis gilt jedoch nicht für Lenker von Lastkraftfahrzeugen oder Bussen mit einem höchstzulässigen Gesamtgewicht von jeweils mehr als 7,5 t.

Darauf sollten Sie achten, wenn Sie mit dem Rad im Straßenverkehr unterwegs sind

Fahrrad auf der Straße

  • Beachten Sie das Rechtsfahrgebot:
    Fahren Sie so weit rechts wie der Verkehr es erlaubt. Im Allgemeinen beträgt der Abstand 0,8 bis 1 Meter zum Fahrbahnrand. Beim Vorbeifahren an parkenden Autos wird ein Abstand von 1,2 m empfohlen. In Fällen, wo nicht ausreichend Platz ist, können Sie daher auch weiter in der Mitte fahren.

  • Freihändiges Fahren ist nicht erlaubt. Zeigen Sie einen Fahrstreifenwechsel durch deutliche Handzeichen an.

  • Das Nebeneinanderfahren ist auf Straßen nicht erlaubt, wohl aber auf Radwegen, in Wohnstraßen, Begegnungszonen und Fahrradstraßen, sowie – auf sonstigen Straßen mit öffentlichem Verkehr – bei Trainingsfahrten mit Rennfahrrädern.
    Beim Nebeneinanderfahren darf nur der äußerste rechte Fahrstreifen benützt werden. In Fußgängerzonen dürfen Sie dann nebeneinander fahren, wenn das Befahren der Fußgängerzone mit Fahrrädern erlaubt ist.

  • Gegen die Einbahn dürfen Sie nur dort fahren, wo es einen Radstreifen gibt und in Wohnstraßen, bzw. wenn unter dem Einbahnschild ein Schild „ausgenommen Radfahrer“ montiert ist.

  • Überholt werden darf grundsätzlich nur links. Eine Ausnahme bilden Schienenfahrzeuge. Diese dürfen Sie auch rechts überholen. Beachten Sie jedoch den Unterschied zwischen Überholen und Vorfahren. So dürfen Sie beim Vorfahren auch rechts an einer stehenden Kolonne vorbeiradeln. Setzt sich die Kolonne aber wieder in Bewegung müssen Radfahrer die Geschwindigkeit drosseln. Rechts dürfen Sie nicht schneller radeln als die Autos fahren.

Fahrrad am Gehweg

  • Sie dürfen Ihr Fahrrad am Gehweg nur schieben. Das Befahren ist verboten und strafbar. Ausnahme: Kinderfahrräder, da diese als Spielzeug gelten, wenn sie einen äußeren Felgendurchmesser von höchstens 300 mm und eine erreichbare Fahrgeschwindigkeit von höchstens 5 km/h aufweisen.

  • Sie dürfen Ihr Fahrrad am Gehweg abstellen wenn dieser breiter als 2,5 m ist und solange Fußgänger dadurch nicht behindert werden. Die Ausnahme sind absolute Halteverbotszonen, wie etwa am Wiener Stephansplatz und Bereiche von Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel ohne Fahrradständer.

Radwegbenützungspflicht

Wenn es einen Fahrradweg gibt, müssen Sie ihn auch benutzen. Eine Ausnahme sind hier Radwege ohne Benützungspflicht, die durch ein quadratisches Verkehrszeichen gekennzeichnet sind. Wenn es die Sicherheit und Flüssigkeit des Verkehrs erlauben, können Sie bei diesen Radwegen auf die Straße ausweichen. Das Schieben von Fahrrädern ist auf Radwegen nicht erlaubt.

Gilt das auch für Rennradfahrer?

Die StVO sieht in § 68 Ausnahmen für das Benützen von Radwegen bei Trainingsfahrten mit Rennfahrrädern vor. Diese dürfen – müssen aber nicht – den Radweg benützen. Rennfahrräder sind Fahrräder, welche die Kriterien des § 4 Abs 1 Fahrradverordnung erfüllen. Kriterien für eine Trainingsfahrt sind Verhältnisse, welche mit jenen bei Radsportveranstaltungen vergleichbar sind. Dazu zählen insbesondere Ausrüstung und gefahrene Geschwindigkeit. Es ist eine Fahrt im Rahmen eines systematisch geplanten, pädagogisch fundierten und methodisch zielgerichteten Handlungsverlaufs zur Steigerung und Optimierung sportlicher Leistungen.

Alkohol und Fahrrad

Es gilt ein Alkohollimit von 0,8 Promille.

Folgende Strafsätze gelten bei Übertretung des Alkohollimits:
 
Strafsätze bei Übertretung Betrag in Euro
Ab 0,8 Promille (0,4 mg/l Atemluft) 800 bis 3.700
Ab 1,2 Promille (0,6 mg/l Atemluft) 1.200 bis 4.400
Ab 1,6 Promille (0,8 mg/l Atemluft) 1.600 bis 5.900
Verweigerung des Alkoholtests 1.600 bis 5.900

Bei Beeinträchtigung durch Drogen muss der Radfahrer mit einer Strafe zwischen 800 Euro und 3.700 Euro rechnen.

Achtung Führerscheinentzug! Radfahren in alkoholisiertem Zustand kann ein Hinweis auf mangelnde Verkehrszuverlässigkeit sein. Stellt die Behörde dies fest, kann der Kfz-Führerschein entzogen werden.

Die richtige Fahrradbeleuchtung und Reflektoren – welche Ausstattung braucht ein Fahrrad?

Sie brauchen:
 
  • zwei voneinander unabhängig wirkende Bremsvorrichtungen
  • eine Klingel oder Hupe – ausgenommen Rennräder
  • ein weißes und beständig leuchtendes Vorderlicht – ausgenommen Rennräder
  • ein rotes Rücklicht (darf blinken) – ausgenommen Rennräder
  • Reflektoren vorne & hinten sowie seitlich an den Laufrädern und an den Pedalen – ausgenommen Rennräder
  • Für jede weitere Person: einen eigenen Sitz mit Haltevorrichtung und eigene Pedale oder Abstützvorrichtung

Kinder am Fahrrad

Die Ausstattung des Kindersitzes umfasst:
 
  • ein Gurtsystem, das vom Kind nicht leicht geöffnet werden kann
  • einen höhenverstellbaren Beinschutz
  • eine Vorrichtung, mit der die Beine nicht in die Speichen gelangen können
  • eine Lehne, die das Abstützen des Kopfes erlaubt
Anbringung des Kindersitzes am Fahrrad:
 
  • ein Kindersitz darf nur hinter dem Fahrer angebracht werden
  • er muss fest mit dem Rahmen verbunden sein
  • der Lenker darf nicht abgelenkt und in seiner Sicht beeinträchtigt werden
  • es darf maximal ein Kind befördert werden
Achtung: Es herrscht Helmpflicht für Kinder bis zum 12. Lebensjahr!
In § 5 Fahrradverordnung werden die Ausstattungen eines Fahrradanhängers aufgelistet.
Beim Personentransport braucht der Anhänger zusätzlich:
 
  • geeignete Rückhalteeinrichtungen
  • eine mindestens 1,5 m hohe, biegsame Fahnenstange mit leuchtfarbenem Wimpel
  • eine Vorrichtung, die zur Abdeckung der Speichen und der Radhäuser und gegenüber Hinausbeugen sowie Kontakt der Beine mit der Fahrbahn wirksam ist.

Wichtige Fahrrad-Verkehrszeichen im Überblick

§ 68 Abs 1a Radweg ohne Benützungspflicht:

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§ 68 Abs 1a Radweg mit Benützungspflicht:

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Der Radweg muss benützt werden, das Rad darf hier nicht geschoben werden.


§ 68 a Abs 1a Geh- und Radweg ohne Benützungspflicht:
 
 a)    b)
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Diese Zeichen zeigen einen Geh- und Radweg an, der von Radfahrern benützt werden darf, aber nicht muss.
a) beschreibt einen für die gemeinsame Benützung durch Fußgänger und Radfahrer bestimmten Geh- und Radweg.
b) kennzeichnet künftig einen Geh- und Radweg, bei dem der Fußgänger- und Fahrradverkehr getrennt geführt werden. Die Symbole entsprechen der tatsächlichen Verkehrsführung (Fußgänger rechts, Fahrrad links oder umgekehrt).

 

§ 67 StVO Fahrradstraße:
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In einer Fahrradstraße ist jeder andere Fahrzeugverkehr verboten, nur das Queren ist erlaubt. Das Befahren mit anderen Fahrzeugen kann behördlich erlaubt werden, dann gilt die maximale Geschwindigkeit von 30 km/h. Radfahrer dürfen weder gefährdet noch behindert werden.


§ 76c StVO Begegnungszonen:

   
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Als Begegnungszonen gilt eine Straße, deren Fahrbahn für die gemeinsame Nutzung durch Fahrzeuge und Fußgänger bestimmt ist. Parken ist nur an den dafür gekennzeichneten Stellen erlaubt. Die maximale Geschwindigkeit darf 20 km/h nicht übertreten. Die Lenker von Fahrzeugen dürfen Radfahrer und Fußgänger weder gefährden noch behindern. Fußgängern ist es erlaubt, die gesamte Fahrbahn zu benützen, allerdings dürfen sie den Fahrzeugverkehr nicht mutwillig behindern. 

Telefonieren am Fahrrad

Es ist seit der 25. STVO-Novelle verboten, am Rad mit dem Handy zu telefonieren. Telefonieren dürfen Sie nur mit einer geeigneten Freisprecheinrichtung. Halten Sie sich nicht daran, begehen Sie eine Verwaltungsübertretung, die mit einer Organstrafverfügung in der Höhe von 50 Euro geahndet wird.

Musikhören am Fahrrad

Musikhören und Telefonieren mit Kopfhörern am Fahrrad ist in Österreich ein Graubereich. Während es in Deutschland erlaubt ist, mit Kopfhörern zu fahren, gab es in Österreich in der Vergangenheit Anzeigen durch Bezirkshauptmannschaften. Die Behörde argumentiert dabei oft mit Paragraph 58 StVO.

Nach diesem darf nur jemand ein Fahrzeug lenken „der sich in einer solchen körperlichen und geistigen Verfassung befindet, in der er ein Fahrzeug zu beherrschen und die beim Lenken eines Fahrzeuges zu beachtenden Rechtsvorschriften zu befolgen vermag.“ Es ist daher empfohlen, nur Modelle ohne Kopfhörer zu verwenden.

Schutz vor Diebstahl

Hier ein paar Tipps:
 
  • Investieren Sie in ein gutes Schloss! Ein Panzerkabel-, Ketten- oder Bügelschloss zu knacken, dauert mehrere Minuten. Das ist für Diebe nicht attraktiv.
  • Bringen Sie das Schloss richtig am Rad an. Achten Sie darauf, das Laufrad und den Rahmen zu befestigen. So kann das Fahrrad nicht weggetragen oder von den Laufrädern getrennt werden. Das Schloss soll auch nicht am Boden aufliegen, denn dann reichen Hammer und Meißel zum Aufknacken.
  • Für den Ernstfall machen Sie vorab Fotos und heben Sie Fahrradbeschreibungen gut auf. Auch ein Fahrradpass hilft im Fall des Diebstahls, das Fahrrad eindeutig zu identifizieren.
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zuletzt aktualisiert am 25.04.2019

Radweg oder Radverkehrsweg? – Haftungsproblem bei Unfall

Was ist passiert?

Frau Z. ist mit ihrem Mountainbike im Frühjahr auf einem überregionalen Radverkehrsweg in Kärnten unterwegs. Von einem Holzlagerplatz, dessen Ausfahrt über den Radverkehrsweg führt, fährt Herr K. mit dem LKW in Richtung Landstraße.

Die Radfahrerin Frau Z. ist mit ca. 16 km/h unterwegs. Der LKW fährt ca. 12,5 km/h.

Herr K., dessen Sicht durch nahe der Grundstücksausfahrt gelagerte Holzstämme behindert ist, blickt zuerst in die Gegenrichtung und erst während der Überquerung des Radverkehrswegs in Richtung Frau Z.

Er bremst sofort und bleibt etwa 1 m vor der Landstraße stehen. Frau Z. ist zu dem Zeitpunkt, als der LKW in den Radverkehrsweg einfährt, noch 11,3 m entfernt. Sie erschrickt und leitet eine Vollbremsung ein. Dadurch blockiert das Vorderrad. Die mit sogenannten Klickpedalen an das Rad fixierte Frau Z. überschlägt sich und wird verletzt.  

Sowohl Frau Z. als auch Herr K. sind ortskundig. Weiters wird festgehalten, dass Frau Z. aus der Entfernung auch mit einer normalen Betriebsbremsung das Rad noch kollisionsfrei zum Stehen gebracht hätte.

Frau Z. möchte Schadenersatz und die Feststellung der Haftung der Haftpflichtversicherung des LKW-Fahrers für zukünftige Schäden. Sie geht von einem Alleinverschulden von Herrn K. aus.

Die Haftpflichtversicherung von Herrn K. wendet ein, dass es sich um einen Gehsteig mit touristischen Hinweisen (grüne Beschilderung) gehandelt hat.

Das Erstgericht sieht eine Verschuldensteilung von 2:1 zulasten von Herrn K. Es geht davon aus, dass es sich um eine Radfahranlage im Sinne der Straßenverkehrsordnung handelt (zumal diese als Anlage zum Kärntner Straßengesetz zu einem überregionalen Radweg erklärt worden sei). Das Erstgericht sieht darin einen Verstoß gegen § 68 Absatz 3 Straßenverkehrsordnung (StVO), weil Frau Z. schneller als die dort erlaubten 10 km/h fuhr und eine normale Bremsung zum Stillstand geführt hätte.

Das Berufungsgericht ändert die Verschuldensteilung auf 4:1 zulasten von Herrn K wegen Ortskundigkeit und Vorrangverletzung.

Der Fall kommt zum Obersten Gerichtshof, da nicht geklärt ist, ob Radverkehrswege Radwege im Sinne der Straßenverkehrsordnung sind.

So hat der OGH entschieden:

Ein Radweg laut StVO ist ausschließlich durch das Gebotszeichen „Radweg“ oder „Geh- und Radweg“ gekennzeichnet. Das ist in diesem Fall nicht so. Die grüne Beschilderung und die vorhandene Markierung können den Radverkehrsweg nicht zu einem Radweg im Sinne der StVO machen.

Das Kärntner Straßengesetz definiert aber überregionale Radwege als selbstständige Straßen, die dem überregionalen Radverkehr dienen und die im Interesse der Verkehrssicherheit und des Fremdenverkehrs durch Verordnung der Landesregierung zu überregionalen Radwegen erklärt werden.

In der Anlage zum Gesetz wird dieser Radverkehrsweg ausdrücklich genannt.

In einer Novelle zum Gesetz im Jahr 2012 wurde der bis dahin verwendete Begriff Radweg durch den (weiten) Begriff Radverkehrsweg ersetzt.

Damit ist für den OGH klar, dass die Klägerin Frau Z. eine dem Fahrradverkehr gewidmete selbstständige Straße befahren hat, die nicht Teil der Landstraße und auch kein Gehsteig ist. Sie durfte den Weg mit dem Rad befahren und war Teil des Fließverkehrs. Der LKW-Fahrer Herr K. hatte Nachrang.

Zur Verschuldensteilung 4:1 wurde vom OGH mangels weiteren Begehrens nichts ausgesprochen.
 
2 Ob 181/17g, 30.07.2018

Zur Fahrordnung für Radfahrer in Einbahnstraßen

Was ist passiert?
 
In Wien kommt es zwischen zwei Radfahrern auf einem Radfahrstreifen zu einem Unfall. Beide stürzen und verletzen sich.
 
Am Beginn der Fahrbahn ist das Hinweiszeichen „Einbahnstraße“ mit dem Zusatzzeichen „ausgenommen Radfahrer“ angebracht. Der beklagte Radfahrer fährt auf dem – aus seiner Sicht – am rechten Fahrbahnrand liegenden 1,2m breiten Radfahrstreifen GEGEN die Einbahnrichtung.
 
Die Klägerin kommt ihm auf dem Radfahrstreifen entgegen, nachdem sie eine Sperrlinie überfahren hat.
 
Nunmehr muss der OGH entscheiden, welche Fahrordnung hier gilt, nachdem die Vorinstanzen das Klagebegehren abgewiesen haben.
 
So hat der OGH entschieden:
 
Der Oberste Gerichtshof hebt die Entscheidungen der Vorinstanzen zur Verfahrensergänzung auf.
 
Er spricht weiters aus:
Voraussetzung für das Befahren einer Einbahnstraße gegen die Einbahnrichtung mit einem Fahrrad ist eine unter dem Einbahn regelnden Hinweisschild angebrachte Zusatztafel „ausgenommen Radfahrer“.
 
Ein in solchen Einbahnstraßen angebrachter Radfahrstreifen dient nur dem GEGEN die Einbahn fahrenden Radverkehr. Demnach hat der Beklagte den Radfahrstreifen zu Recht benützt, während die Klägerin ihn nicht benützen hätte dürfen.
 
Nicht ausreichend geklärt ist allerdings die Frage, ob der Beklagte den Unfall durch rechtzeitiges Anhalten vermeiden hätte können. Das müssen die Vorinstanzen nun klären.
2 Ob 100/16v , 26.01.2017

Inlineskaten mit Hund am Radweg – Vorsicht Haftung!

Was ist passiert?
 
Frau S. fährt mit Inlineskatern auf einem Radweg in Kärnten. Neben ihr läuft ihr Berner-Sennenhund an der Leine mit. Hinter ihr fährt ihr Lebensgefährte mit dem Rad.
 
Auf einem Böschungsstreifen unmittelbar neben dem Radweg steht währenddessen eine andere Inlineskaterin, Frau A, die sich mit einem Freund unterhält. Auch sie hat ihren weißen Schäferhund dabei, der ca. 2 m von ihr entfernt (angeleint) auf dem Boden liegt.
 
Sie steht mit dem Rücken zur näher kommenden Inlineskaterin S. und kümmert sich nicht weiter darum. Frau S. nähert sich, sieht die potentielle Gefahr eines Zusammenstoßes der beiden Hunde und wird schneller, um rasch am liegenden Schäferhund vorbeizufahren.
 
Doch in dem Moment steht der Schäferhund auf. Seine Halterin versucht noch, die Leine kürzer zu nehmen, doch der Schäferhund gelangt auf den Radweg. Er berührt den Berner-Sennenhund, worauf dieser stehen bleibt bzw. nach vorne springt (das ist bis heute ungeklärt). Die Leine spannt sich, die Skaterin, Frau S., stürzt und verletzt sich schwer.
 
Die beiden Vorinstanzen geben Frau S Klagebegehren auf Schadenersatz und Feststellung der Haftung für mögliche Folgeschäden zur Hälfte statt. Frau A wendet Alleinverschulden der Klägerin ein. Der Fall geht zum Obersten Gerichtshof.
 
So hat der OGH entschieden:
 
Ob eine ordnungsgemäße Verwahrung eines Hundes vorliegt ist immer eine Sache des Einzelfalles und Beweislast des Hundehalters.
 
Auf Radwegen oder unmittelbar daneben ist von Hundehaltern grundsätzlich die jederzeitige (!) Beherrschung ihres Hundes zu verlangen, weil jederzeit mit schnelleren Verkehrsteilnehmern zu rechnen ist, die durch die Begegnung mit dem Hund in Gefahr geraten können.
 
Die von den beiden Vorinstanzen angenommene Verschuldensteilung 1:1 stellt laut OGH keine Fehlbeurteilung dar.
8 Ob 110/15g, 25.11.2015

Sportlich Ehrgeizige müssen Helm tragen

Was ist passiert? 
Frau M. will eine Bundesstraße am Attersee überqueren, in diesem Augenblick nähern sich Herr S. und sein Freund auf ihren Rennrädern mit rund 35 km/h. Herr S. fährt im Windschatten seines Freundes.

Beide sind mit Renndressen bekleidet, tragen jedoch keinen Helm. Frau M. betritt die Fahrbahn, sieht die beiden zwar, glaubt aber, sie kann noch vor ihnen die Straße überqueren. Der Freund von Herrn S führt eine Notbremsung durch, Herr S. fährt auf ihn auf und stürzt.

Er zieht sich schwere Kopfverletzungen samt Dauerfolgen zu. Hätte er einen Helm getragen, wäre er mit einer Gehirnerschütterung ohne Dauerfolgen davongekommen. Trotzdem möchte er von Frau M. Schmerzengeld haben.

So hat der OGH entschieden: 
Der OGH lehnt sich an die Rechtsprechung deutscher Obergerichte an, die zwischen „normalen“ und „sportlich ambitionierten“ Radfahrern unterscheiden. Er bestätigt eine Helmpflicht für das unter rennmäßigen Bedingungen fahrende Unfallopfer, da sich einem besonderen Risiko durch das im Windschatten- und das schnelle Fahren aussetzt.
In seiner Entscheidung hat der OGH das Ergebnis einer Umfrage des Kuratoriums für Verkehrssicherheit im Jahr 2006 herangezogen, wobei bereits 93% der Befragten das Tragen eines Helms bei Radsportlern als wichtig erkennen.
Somit kann von einem „allgemeinen Bewusstsein der beteiligten Kreise“ in Österreich ausgegangen werden, dass der „Einsichtige und Vernünftige“ wegen der erhöhten Eigengefährdung bei Fahrten unter rennmäßigen Bedingungen einen Radhelm trägt.

Im Ergebnis bedeutet das für Herrn S., dass er sich wegen des verbotenen Windschattenfahrens (§ 18 Abs1 StVO) ein Drittel Mitverschulden anrechnen lassen muss. Die verbliebenen 2/3 werden wegen der Verletzung der Helmpflicht – analog zur Gurtenpflicht – um weitere 25% gekürzt.  

2 Ob 99/14v, 27.08.2014